Das Wesen eines Chloralkali-Elektrolyseur Es handelt sich um einen präzise gesteuerten elektrochemischen Reaktor. Gleichstrom fließt durch die Anode hinein und durch die Kathode hinaus. In einem extrem schmalen Spalt wird Salzlösung in Chlorgas, Wasserstoffgas und Natronlauge zersetzt. Drei präzisionsgefertigte Kernkomponenten – die Anode, die Kathode und die Ionenaustauschermembran – treiben diesen Prozess an.
An der Anode geben Chloridionen ihre Elektronen ab. Die Anode eines modernen Chloralkali-Elektrolyseurs besteht aus einem Titan-Streckmetallgewebe mit einer nur wenige Mikrometer dicken Oberflächenbeschichtung aus Mischmetalloxiden. Titan wird als Substratmaterial gewählt, da sich unter den anodischen Polarisationsbedingungen der Elektrolyse spontan ein dichter Titandioxid-Passivierungsfilm (TiO₂) auf der Titanoberfläche bildet. Dieser Film ist in feuchtem Chlorgas und konzentrierter Salzlösung äußerst stabil. Obwohl der Passivierungsfilm das Titan vor Korrosion schützt, entzieht er der Titanoberfläche gleichzeitig ihre elektrische Leitfähigkeit. Daher wird eine mikrometerdünne katalytische Beschichtung auf die Titanoberfläche aufgesprüht. Kernbestandteil dieser Beschichtung ist Rutheniumdioxid (RuO₂), ein Oxid mit metallischer Leitfähigkeit. Die Austrittsarbeit von RuO₂ liegt genau innerhalb der Bandlücke von TiO₂ und bildet so eine „leitende Brücke“ innerhalb des TiO₂-Passivierungsfilms. Diese ermöglicht den Elektronenfluss vom Elektrolyten durch den Passivierungsfilm zum Titansubstrat. RuO₂ weist eine extrem hohe katalytische Aktivität für die Chlorentwicklungsreaktion (2Cl⁻ → Cl₂ + 2e⁻) auf. Bei gleicher Spannung ist die Chlorbildungsrate deutlich höher als die Sauerstoffbildungsrate, was die Stromausbeute verbessert. Allerdings löst sich eine reine RuO₂-Beschichtung im Langzeitbetrieb in saurem Anolyt (pH 2–4) langsam auf. Daher wird kommerziellen dimensionsstabilen Anoden (DSAs) Iridiumdioxid (IrO₂) zugesetzt. Iridiumdioxid ist in sauren Umgebungen deutlich stabiler als binäres Rutheniumoxid und verlängert so die Lebensdauer der Beschichtung. Einige Formulierungen enthalten zusätzlich SnO₂ als Stabilisator und Dispergiermittel. Beschichtungen von Membranzellenanoden enthalten typischerweise mehr SnO₂, da der pH-Wert des Membranzellenanolyts höher ist und somit die Sauerstoffentwicklung als Nebenreaktion stärker unterdrückt werden muss.

Das Moderne Chloralkalimembran Es handelt sich um einen perfluorierten Polymerverbundwerkstoff mit vier Funktionsschichten: Die dickste Schicht ist die Sulfonsäureschicht, die der Anode zugewandt ist. Perfluorsulfonsäure (-SO₃H) ist eine Supersäure. Diese Schicht weist einen hohen Wassergehalt auf, sodass Natriumionen ungehindert passieren können; sie ist die Hauptleitschicht der Membran und bietet einen niederohmigen Pfad. Hinter der Sulfonsäureschicht befindet sich ein PTFE-Gewebe, das das mechanische Gerüst bildet. Die chemische Inertheit der Perfluorcarbonkette verleiht der Membran Beständigkeit in der extremen Umgebung stark oxidierender und stark alkalischer Bedingungen. Das PTFE-Gerüst verhindert zudem thermisches Kriechen der Membran bei hohen Betriebstemperaturen. Lokale Schrumpfung oder Ausdehnung der Membran würde zu Veränderungen des Abstands zu den Elektroden und damit zu unkontrollierter lokaler Stromdichte führen. Der Kathode zugewandt ist die Carbonsäureschicht; Perfluorcarbonsäure (-COOH) ist eine schwache Säure. Auf der sauren, wasserreichen Anodenseite liegt -COOH teilweise als neutrales Molekül vor, wobei die Ionenkanäle halb geöffnet sind. Auf der alkalischen, wasserarmen Kathodenseite dissoziiert -COOH vollständig in -COO⁻, und die hohe negative Ladung bildet eine Donnan-Barriere, die die Rückwanderung von OH⁻ verhindert. Die äußerste Schicht ist eine wenige Mikrometer dicke anorganische Beschichtung (typischerweise poröse Oxide wie ZrO₂). Durch die Ausbildung einer porösen, rauen Oberflächenstruktur wird die Adhäsion von Blasen an der Membranoberfläche reduziert, wodurch sich die bei der Elektrolyse entstehenden Chlor- und Wasserstoffgase schnell von der Membranoberfläche ablösen können. Eine einzelne Sulfonsäuremembran besitzt nicht genügend negative Ladungsdichte, um die Rückwanderung von OH⁻ effektiv zu blockieren. Die OH⁻-Konzentration im Katholyt ist deutlich höher als im Anolyt, und der hohe Konzentrationsgradient führt dazu, dass OH⁻ durch die Membran zurück zur Anode wandert, was die Stromausbeute stark reduziert. Dieses Problem wurde später durch Laminieren einer Carbonsäureschicht auf die Sulfonsäureschicht behoben. Die negative Ladungsdichte von -COO⁻ in der Carbonsäureschicht ist deutlich höher als die von -SO₃⁻, was die Abstoßung von OH⁻ verstärkt. Obwohl der Gesamtwiderstand der Membran leicht ansteigt, erhöht sich die Stromausbeute sprunghaft von 80 % auf 96–97 %.
Diese drei Kernkomponenten des Chloralkali-Elektrolyseurs repräsentieren drei Dimensionen der Forschung und Entwicklung: die Beständigkeit von elektrokatalytisch beschichteten Anoden in stark oxidierenden Umgebungen; die Stabilität von katalytischen Kathoden mit hoher spezifischer Oberfläche in starkem Alkali; und die effiziente Ionenselektivität von perfluorierten Membranen unter extremen pH-Gradienten.
1. Warum benötigt die Titananode eine Mischmetalloxidbeschichtung?
Ein natürlicher TiO₂-Passivierungsfilm auf Titan verhindert zwar Korrosion, verringert aber die Leitfähigkeit. Die RuO₂-IrO₂-Kompositbeschichtung bildet eine leitfähige Brücke, sorgt für eine hohe katalytische Aktivität bei der Chlorentwicklung und verbessert die Stabilität in saurem Milieu.
2. Welche Funktion haben IrO₂ und SnO₂ in Anodenbeschichtungen?
IrO₂ verbessert die Langzeit-Säurebeständigkeit der Beschichtung und verhindert so deren Auflösung. SnO₂ wirkt als Stabilisator und Dispergiermittel und trägt dazu bei, die Sauerstoffentwicklung als Nebenreaktion in Membranzellen zu unterdrücken.
3. Warum weist die Chloralkalimembran eine zweischichtige Sulfonsäure- + Carbonsäurestruktur auf?
Die Sulfonsäureschicht gewährleistet eine hohe Ionenleitfähigkeit und einen niedrigen Widerstand. Die Carbonsäureschicht bildet eine starke Donnan-Barriere, die die Rückmigration von OH⁻-Ionen verhindert und so die Stromausbeute von 80 % auf 96–97 % deutlich verbessert.