Einführung
Die bipolare Membran-Elektrodialyse (BMED) ist eine fortschrittliche elektrochemische Trenntechnologie, die mithilfe eines speziellen Membranstapels Salze direkt in die entsprechenden Säuren und Basen umwandelt. Kernstück ist die bipolare Membran (BPM), die aus einer Kationenaustauscherschicht und einer Anionenaustauscherschicht besteht, die laminiert sind. Unter dem Einfluss eines Gleichstromfeldes katalysiert die BPM die Dissoziation von Wassermolekülen an ihren Grenzflächen, wodurch H⁺- und OH⁻-Ionen entstehen. Diese Ionen wandern durch den Membranstapel und reagieren mit den Anionen und Kationen einer Salzlösung, wodurch gleichzeitig Säure- und Basenprodukte gebildet werden.

Systemkonfigurationen
BMED-Systeme werden primär anhand ihres Zellpaardesigns kategorisiert:
Zweikammersystem: Die einfachste Konfiguration, bestehend aus abwechselnden bipolaren und monopolaren (entweder Anionen- oder Kationen-)Austauschmembranen. Es ist kompakt und energieeffizient, kann aber Produkte mit geringerer Reinheit liefern.
Dreikammersystem: Dies ist die am weitesten verbreitete industrielle Konfiguration. Es besteht aus einer sich wiederholenden Einheit einer bipolaren Membran (BPM), einer Kationenaustauschermembran (CEM) und einer Anionenaustauschermembran (AEM) und bildet so drei separate Kammern: eine zentrale Salzkammer, eine Säurekammer und eine Basenkammer. Diese Konstruktion gewährleistet eine hohe Produktreinheit und eine effiziente Trennung.
Mehrkammersysteme: Diese komplexeren Konstruktionen (z. B. vier oder fünf Kammern) werden für spezielle Anwendungen eingesetzt, die die Trennung mehrerer ionischer Spezies erfordern oder um sehr hohe Konzentrationsgradienten zu erreichen.

Wichtigste Vorteile
BMED bietet gegenüber herkömmlichen chemischen Verfahren mehrere überzeugende Vorteile:
Umweltfreundliches und nachhaltiges Verfahren: Die Technologie benötigt keine externen Chemikalien (wie starke Säuren oder Basen zur Neutralisation). Als Hauptbestandteile dienen Salz und Wasser, als Hauptprodukte Säure und Base. Dadurch entsteht ein geschlossener Kreislauf mit nahezu abwasserfreier Produktion.
Hohe Produktreinheit: BMED kann hochreine Säuren und Basen herstellen. Beispielsweise ist das Unternehmen in der Lage, Lithiumhydroxid (LiOH) in Elektronikqualität ohne Natriumverunreinigung zu produzieren, was für Batterieanwendungen von entscheidender Bedeutung ist.
Rohstoffrückgewinnung und -verwertung: Dabei werden Abfallsalze (z. B. NaCl, Na₂SO₄, Li₂SO₄) aus Industrieabwässern in wertvolle Säure- und Alkaliprodukte umgewandelt, wodurch ein Entsorgungsproblem in eine wirtschaftliche Chance verwandelt wird.
Energieeffizienz und Wirtschaftlichkeit: Da BMED bei Umgebungsbedingungen arbeitet, verbraucht es weniger Energie als thermische Verfahren wie Verdampfung oder die traditionelle Kaustizierung zur LiOH-Herstellung. Die Betriebskosten beschränken sich hauptsächlich auf Stromkosten und Abschreibungen der Anlagen.
Hohe Ausbeute und Selektivität: Das Verfahren ist hochselektiv und ermöglicht nahezu quantitative Ausbeuten. Bei der LiOH-Herstellung beispielsweise ist der Lithiumverlust minimal, was zu einer Rückgewinnungsrate von über 99 % führt.

Hauptanwendungen
Die BMED-Technologie hat in verschiedenen Branchen vielfältige und wirkungsvolle Anwendungen gefunden:
Herstellung organischer Säuren/Alkalien: Das Verfahren wandelt organische Säuresalze (z. B. Natriumlactat, Natriumcitrat, Natriumgluconat, Aminosäuresalze) effizient und direkt in ihre freien Säureformen um. Ebenso können organische Basen wie Entschwefelungsamine und ionische Flüssigkeiten ohne Zugabe fremder Kationen regeneriert werden.
Nutzung von Sole und Abfallsalzen: Anstelle der energieintensiven Verdampfung und Kristallisation, die feste Abfälle erzeugt, wandelt BMED anorganische Salze aus industriellen Abwässern in wiederverwendbare HCl/NaOH oder H₂SO₄/NaOH um und löst damit sowohl das Abfallproblem als auch das Problem der Rohstoffbeschaffung.
Hochreine chemische Synthese: Eine Vorzeigeanwendung ist die Herstellung von Lithiumhydroxid in Batteriequalität aus Lithiumsulfat-Sole. Das Verfahren liefert hochreines LiOH und Schwefelsäure als Nebenprodukte und bietet deutliche Vorteile hinsichtlich Qualität, Ausbeute und Umweltverträglichkeit.
Umweltsanierung & Kreislaufwirtschaft: BMED ist integraler Bestandteil von Zero-Liquid-Discharge-Konzepten (ZLD) in Sektoren wie der Galvanotechnik, der Seltene-Erden-Verarbeitung sowie der Lebensmittel- und Pharmaindustrie, wo es die Rückgewinnung wertvoller Chemikalien aus komplexen Abfallströmen ermöglicht.
Pharmazeutische und Lebensmittelindustrie: Die Technologie wird zur schonenden Reinigung und Konzentration hitzeempfindlicher Verbindungen wie Vitamine, Aminosäuren und anderer biobasierter Produkte eingesetzt, wobei deren Integrität erhalten bleibt.